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Krebs

Grundsätzlich wurde die Frage, ob hochfrequente elektromagnetische Felder Krebs auslösen oder fördern können, in vielen beruflichen, privaten und häuslichen Bereichen untersucht (z. B. bei Rundfunk-, Radar- und Mobilfunk-Exposition). Aufgrund der exponentiellen Zunahme der Mobiltelefon-Nutzung in den vergangenen 20 Jahren konzentrierte sich die Forschung jedoch in den letzten Jahren immer mehr auf den Mobilfunk. Da das Mobiltelefon während des Telefonierens an das Ohr gehalten wird und somit der Bereich des Kopfes am stärksten exponiert ist, wurden vor allem Hirntumoren und Tumoren der benachbarten Gewebe untersucht.

Unter Hirntumoren werden gutartige (benigne) und bösartige (maligne) Tumoren im Gehirn zusammengefasst. Sie werden nach dem histologischen Zelltyp z.B. in Gliom, Meningeom und Akustikusneurinom eingeteilt. Das Gliom geht vom Stütz- und Nährgewebe (Glia-Zellen) im Gehirn aus und ist eine der häufigsten Hirntumor-Arten. Meningeom ist ein gutartiger Tumor der Hirn- und Rückenmarkshäute (Meningen). Akustikusneurinom ist ein gutartiger, langsam wachsender Tumor der Schwannschen Zellen des Hörnervs.

Eine besondere Problematik bei Hirntumoren besteht aufgrund ihrer Lage. Durch die umgebende Schädeldecke ist der Raum für das Gehirn begrenzt, sodass ein wachsender Tumor ständig den Druck im Gehirn erhöht. Aus diesem Grund sind auch gutartige Hirntumoren gefährlich, da sie allein durch die Verdrängung des Gewebes zu schweren Symptomen und Funktionsstörungen des zentralen Nervensystems führen können. Hirntumoren treten im Vergleich zu anderen Krebs-Arten mit einem Anteil von rund 1% an allen Krebserkrankungen selten auf (Robert-Koch-Insitut, RKI). Weltweit erkrankten im Jahr 2012 insgesamt etwa 250.000 Menschen an einem bösartigen Hirntumor (Inzidenz-Rate: 3,4 von 100.000 Menschen, Daten von IARC GLOBOCAN). Die Erkrankungshäufigkeit für Akustikusneurinom liegt bei 1 pro 100.000 Personen pro Jahr.

Eine Experten-Arbeitsgruppe des Internationalen Krebsforschungszentrums (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) führte im Jahr 2011 eine zusammenfassende Bewertung der Studien zu Krebs-Erkrankungen durch eine Exposition bei hochfrequenten Feldern durch. Hieraus ergab sich eine Einstufung hochfrequenter elektromagnetischer Felder in die Klasse 2B „möglicherweise krebserregend“ (IARC Monographs Band 102, S. 419). Grund für diese Klassifizierung waren hauptsächlich epidemiologische Studien, die zum Teil auf ein erhöhtes Risiko für die Hirntumor-Arten Gliom und Akustikusneurinom bei intensiver Mobiltelefon-Nutzung hindeuteten. Die Hinweise auf eine Risiko-Erhöhung aus den epidemiologischen Studien (z.B. Interphone-Studie) wurden von der IARC als begrenzt bewertet. Als ebenso begrenzt wurde die Evidenz aus den tierexperimentellen Studien beurteilt. Aus Studien an Zellen gab es nur schwache Hinweise auf einen möglichen Wirkungsmechanismus zwischen der Wirkung hochfrequenter elektromagnetischer Felder und dem Entstehen von Krebs-Erkrankungen. In der Bewertung der IARC ergaben sich keine ausreichenden Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der Exposition bei hochfrequenten elektromagnetischen Feldern und einem erhöhten Risiko für andere Krebs-Arten (z. B. Leukämie, Lymphom, Brustkrebs, Hodentumor).

Die Internationale Kommission für den Schutz vor nicht-ionisierenden Strahlen (ICNIRP) kam in ihrer Stellungnahme (2011) auf Grundlage der vorliegenden epidemiologischen und tierexperimentellen Studien zu dem Schluss, dass innerhalb der ersten 10-15 Jahre einer Handy-Nutzung ein Anstieg eines Krebs-Risikos bei Erwachsenen unwahrscheinlich ist. Für längere Nutzungszeiträume und für Kinder fehlten jedoch zum Zeitpunkt der Bewertung entsprechende Daten.

Die steigende Nutzung von Mobiltelefonen und das Fehlen von Studien mit längeren Beobachtungszeiträumen von mehr als 15 Jahren veranlasste die WHO (WHO Faktenblatt 193, WHO Forschungsagenda, S. 12), weitere Forschung, vor allem zur Langzeit-Exposition durch Mobiltelefone, zu empfehlen (z.B. COSMOS-Studie, CEFALO-Studie und MOBI-KIDS-Studie). Dabei sollten vor allem Kinder und Jugendliche betrachtet werden, weil sie im Laufe ihres Lebens wesentlich länger gegenüber Mobilfunk-Feldern exponiert sein werden als heutige Erwachsene.

Der wissenschaftliche Ausschuss für neu auftretende und neu identifizierte Gesundheitsrisiken der Europäischen Kommission (SCENIHR) stellte in seiner Stellungnahme (2015, S.5) fest, dass die epidemiologischen Studien mit Mobiltelefon-Exposition insgesamt kein erhöhtes Risiko für Hirntumor aufzeigten. Einige Studien deuteten auf ein erhöhtes Risiko für Gliom und Akustikusneurinom hin. Jedoch wird das Risiko für Gliom nicht durch Kohorten- und Trendstudien unterstützt und der mögliche Zusammenhang mit Akustikusneurinom bleibt unklar. Für andere Krebsarten bei Erwachsenen und bei Kindern gibt es laut SCENIHR keine Hinweise auf ein erhöhtes Krebs-Risiko.

In Deutschland kam die Strahlenschutzkommission (SSK) in ihrer Bewertung (2011, S.8) zu dem Schluss, dass es im Bereich des Mobilfunks eine unzureichende Evidenz für einen Zusammenhang mit Krebs-Erkrankungen gibt. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) stellt fest, dass es aufgrund der Ergebnisse epidemiologischer Studien zur Handy-Nutzung bei Erwachsenen kein erhöhtes Krebs-Risiko gibt.

Mehr Informationen und Übersichten über alle Studien zu Mobilfunk und Krebs finden Sie in den Studienübersichten zu epidemiologischen Studien und experimentellen Studien. Weitere Informationen und Übersichten über alle Studien speziell zu Kindern und Jugendlichen bzw. zu Jungtieren finden Sie in den Studienübersichten zu epidemiologischen Studien und zu experimentellen Studien mit Jungtieren.