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Kognitive, psychomotorische und Gedächtnis-Funktionen

Kognition umfasst alle Informationsverarbeitungsprozesse im Gehirn, die mit dem Wahrnehmen und Erkennen zusammenhängen. Kognitive Fähigkeiten sind z.B. Aufmerksamkeit, Urteilsfähigkeit, Lernfähigkeit, Abstraktionsvermögen, Kreativität, Planen, Orientierung und die willentliche Kontrolle. Psychomotorik umschreibt psychische Vorgänge (wie z.B. Emotionalität, Konzentration, individuelle Persönlichkeitsverfassung), die Einfluss auf das Bewegungsverhalten (Motorik) haben können. Gedächtnis ist die Fähigkeit des Nervensystems, aufgenommene Informationen zu speichern, zu ordnen und wieder abzurufen. Das menschliche Gehirn steuert maßgeblich alle kognitiven, psychomotorischen und Gedächtnis-Funktionen. Wie bei der Untersuchung der Wirkungen einer Mobilfunk-Exposition auf die Hirnaktivität (siehe Abschnitt "EEG/Hirnaktivität") stellt sich aufgrund der unmittelbaren Nähe des Mobiltelefons zum Kopf beim Telefonieren die Frage, ob eine Handy-Exposition die genannten Hirn-Funktionen beeinflussen kann. Dabei sind die Hirnaktivität und die Hirn-Funktionen eng miteinander verknüpft, so dass sich die Forschung in beiden Bereichen ergänzt.

Um die Wirkungen elektromagnetischer Felder auf die Hirn-Funktionen zu erforschen, werden Untersuchungen an Menschen und Tieren, z.B. Aufmerksamkeits- und Konzentrations-Tests, Tests zu kognitiver Verarbeitungsgeschwindigkeit sowie Lern- und Gedächtnis-Tests durchgeführt.

Auf internationaler Ebene sieht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrer Kurz-Stellungnahme (Fact sheet № 193, 2014) bezüglich der Studien zu kognitiven Funktionen keine ausreichende Evidenz für nachteilige Wirkungen auf die Gesundheit. Auch die Internationale Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP) sieht in der Gesamtschau der Studien keine konsistente Wirkung auf die kognitive Leistungsfähigkeit (ICNIRP, 2009, S.257). So zeigten Studien mit einer größeren Anzahl an Versuchspersonen oder Tieren laut ICNIRP generell keine Wirkungen. Wenn Wirkungen gefunden wurden, seien diese schwach und würden tendenziell eher auf eine Verbesserung als auf eine Verschlechterung der Leistungsfähigkeit durch eine Exposition hindeuten.

Der Wissenschaftliche Ausschuss für neu auftretende und neu identifizierte Gesundheitsrisiken der EU (SCENIHR 2015, S.127) erkannte ebenfalls keine konsistenten Wirkungen auf die kognitiven Funktionen. Wenn eine Wirkung in einer Studie beschrieben wurde, so SCENIHR, dann nur bei einzelnen aus einer Vielzahl untersuchter Parameter. Außerdem seien die Ergebnisse zwischen verschiedenen Studien nicht konsistent.

Auch das Schweizer Bundesamt für Umwelt (BAFU 2014, S.37) sieht keine gesundheitlich relevanten Wirkungen hochfrequenter Felder auf die kognitive Leistungsfähigkeit. Das BAFU weist allerdings darauf hin, dass dies nur für kurzfristige Folgen gesagt werden kann und dass die schwachen Wirkungen auf die Hirnaktivität, die das BAFU für ausreichend belegt hält (siehe "EEG/Hirnaktivität"), bei gesundheitlich vorbelasteten Personen ggf. gesundheitsrelevante Wirkungen hervorrufen könnten.

Die deutsche Strahlenschutzkommission (SSK 2011, S.26 f) erkennt ebenfalls keine konsistenten Hinweise auf Wirkungen auf kognitive Funktionen, betont jedoch, dass weiterer Forschungsbedarf gegeben ist. Dabei sei in zukünftigen Studien besonders auf Faktoren zu achten, die das Ergebnis verzerren könnten, wie beispielsweise der Konsum von koffeinhaltigen Getränken und Alkohol, die Motivation der Testpersonen, die Testabfolge und Dauer der Tests sowie die Tageszeit. Sauter et al. (2011) konnten beispielsweise zeigen, dass nach Korrektur für multiples Testen nur noch die Tageszeit, nicht aber die Exposition einen Einfluss auf die Ergebnisse kognitiver Tests hatte.

Als Fazit kann gezogen werden, dass internationale wie nationale Expertengremien keine ausreichende Evidenz für Wirkungen von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern auf kognitive Funktionen sehen. Eine neue ausführliche Stellungnahme der WHO zu Wirkungen von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern wird für 2016 erwartet (Fact sheet № 193, 2014).

Weitere Informationen und eine Übersicht über alle experimentellen Studien zum Thema kognitive, psychomotorische oder Gedächtnis-Funktionen finden Sie in der Studienübersicht Mobilfunk des EMF-Portals.