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Fertilität

Fertilität ist die Fähigkeit zur geschlechtlichen Fortpflanzung bei Menschen, Tieren und Pflanzen. Mit verschiedenen Methoden wurde an Menschen und Tieren erforscht, ob hochfrequente elektromagnetische Felder zu einer Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit führen können. Meist wurden Handy-Expositionen untersucht, in einigen Fällen auch WLAN-Expositionen. Beim Menschen standen hierbei Studien zur männlichen Fruchtbarkeit (insbesondere zur Menge und Qualität der Spermien) im Vordergrund, weil ein Handy in der Hosentasche und ein Laptop auf dem Schoß sich in unmittelbarer Nähe der Hoden befinden. Dies gab Anlass für Befürchtungen, dass die Hochfrequenz-Felder der Geräte Einfluss auf die Spermien haben könnten. In Tierstudien wurden vor allem die möglichen Einflüsse auf die Reproduktionsorgane sowie Entwicklungsstörungen beim Nachwuchs untersucht. Neben Untersuchungen an Menschen und Säugetieren wurden auch Studien an Vögeln und Fruchtfliegen sowie in vitro-Studien direkt an Spermien durchgeführt.

Es steht außer Frage, dass Beeinträchtigungen von Reproduktion und Entwicklung durch hochfrequente elektromagnetische Felder auftreten können, wenn die Exposition im thermischen Bereich oberhalb der Grenzwerte liegt und damit deutliche Gewebe-Erwärmungen über 1°C verbunden sind (ICNIRP 2009, S. 183, SCENIHR 2015, S. 147). Hoden, Spermien, Eizellen, Föten und Neugeborene gelten als besonders temperaturempfindlich.

Um im athermischen Bereich mögliche negative Auswirkungen elektromagnetischer Felder zu erforschen, wurden die genannten Wirkungen auch bei Expositionen unterhalb der Grenzwerte untersucht.

Eine vom Bundesamt für Strahlenschutz erstellte Literaturstudie zu den Wirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf die männliche Fruchtbarkeit (Pophof 2014, zusammengefasst auf den Internetseiten des BfS) kommt nach Bewertung der vorliegenden wissenschaftlichen Literatur zu folgendem Ergebnis: Von den sieben unterhalb der Grenzwerte durchgeführten Studien am Menschen zur männlichen Fertilität weisen sechs auf eine verminderte Fruchtbarkeit bei häufiger Handy-Nutzung hin. Einflussfaktoren, die das Ergebnis verzerren könnten, wurden jedoch nur teilweise oder gar nicht berücksichtigt und die Studien wurden meist an Patienten durchgeführt, die bereits Fruchtbarkeitsprobleme hatten.

In den meisten in vitro-Studien an Spermien wurde bei mindestens einem der untersuchten Parameter eine Veränderung durch die elektromagnetische Feld-Einwirkung entdeckt, während viele andere Parameter oft unverändert blieben. Laut Pophof 2014 weisen alle älteren Studien unterschiedlich große methodische Mängel auf. Thermische Wirkungen können in vielen dieser Experimente nicht ausgeschlossen werden. In neueren in vitro-Studien mit besserer Qualität wurden Wirkungen auf Spermien ab einer SAR von 1 W/kg gezeigt.

Tierstudien zur Fertilität weisen nach Pophof 2014 überwiegend erhebliche methodische Mängel auf und lieferten uneinheitliche, z.T. widersprüchliche Ergebnisse. Studien, die nach Pophof 2014 den Mindestanforderungen der wissenschaftlichen Qualität genügen, ergaben bei Expositionen bis 4 W/kg keinen negativen Einfluss der Felder auf unterschiedliche Parameter. Diese Studien decken aber nicht alle möglichen Parameter der Fruchtbarkeit ab und weisen somit auf einen weiteren Bedarf an Forschung mit qualitativ hochwertigen Untersuchungen hin.

Eine Übersicht aller experimentellen Studien zum Thema Fertilität finden Sie in der Studienübersicht Mobilfunk des EMF-Portals.

Zu einer ähnlichen Bewertung wie Pophof 2014 kam auch der Wissenschaftliche Ausschuss für neu-auftretende und neu-identifizierte Gesundheitsrisiken der EU (SCENIHR): Eine abschließende Bewertung zu den Wirkungen auf die männliche Fertilität sei wegen des Mangels an zuverlässigen Studien nicht möglich. Ob der Verlauf von Schwangerschaften durch die Handy-Nutzung werdender Mütter während der Schwangerschaft nachteilig beeinflusst werde, sei nach wie vor weitgehend unerforscht. Bei Tierstudien zur schädigenden Wirkung auf Spermien seien Wiederholungsstudien mit größeren Stichproben notwendig. Insgesamt spräche die Evidenz-basierte Betrachtung jedoch gegen eine Wirkung von schwachen Hochfrequenz-Feldern auf die Fortpflanzung und Entwicklung (SCENIHR 2015, S. 147 u. 152).

Ähnlich lautende Einschätzungen veröffentlichten die Internationale Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP 2009) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO Research Agenda 2010). Die vielen Studien, die negative Auswirkungen auf die Fertilität zeigten, seien widersprüchlich, hätten erhebliche methodische Mängel und gäben nicht genügend Informationen zu methodischen und technischen Details, wie z.B. der genauen verwendeten Expositionsstärke. ICNIRP, SCENIHR und WHO sehen Anlass für weitere Forschung, jedoch nicht mit hoher Priorität (z.B. SCENIHR 2015, S. 221, WHO Research Agenda 2010, S. 18).

Fazit aus den Bewertungen nationaler und internationaler Expertengremien ist, dass wegen vieler methodischer Mängel aus den bislang vorliegenden Studien keine belastbaren Schlüsse gezogen werden können – das heißt, ausreichende wissenschaftliche Belege liegen zurzeit weder für noch gegen negative Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf die Fruchtbarkeit vor. Eine neue ausführliche Stellungnahme der WHO zu Wirkungen von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern wird für 2016 erwartet (WHO Fact sheet 193).