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Schlaf

Der menschliche Schlaf ist charakterisiert durch verschiedene Schlafstadien, die während der Nacht meist in mehreren Wellen durchlaufen werden und beispielsweise im EEG gemessen werden können. Bei Schlaf-Studien muss generell unterschieden werden zwischen physiologischen Daten (d.h. EEG) und subjektiven Berichten zur Schlaf-Qualität (z.B. Fragebögen), die zur Untersuchung des Schlafes ausgewertet werden können. Die Einschätzungen, die sich aus diesen beiden Methoden ergeben, können dabei erhebliche Unterschiede aufweisen (SCENIHR, 2015, S.104).

Schlafstörungen werden von einigen Betroffenen in einen Zusammenhang mit elektromagnetischen Feldern gebracht. In einer von Prof. Norbert Leitgeb (Leitgeb, 2007, S.3) verfassten und vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) veröffentlichten Untersuchung aus dem Jahr 2007 heißt es dazu, dass in den letzten Jahrzehnten Schlafstörungen deutlich zugenommen haben und mehr als 20% der Bevölkerung zumindest gelegentlich unter Schlafstörungen, wie z. B. Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen, gestörte Schlafmuster oder gestörte Schlafperiodik leiden. Laut Leitgeb führt ein zunehmender Teil an Betroffenen dies auf die Einwirkung hochfrequenter elektromagnetischer Felder von Sendeanlagen, insbesondere von Mobilfunk-Basisstationen zurück. Diese Vermutungen hatten Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre auch eine politische Dimension erreicht und zu Petitionen und Appellen an öffentliche Stellen zur Herabsetzung der Expositions-Grenzwerte und Einschränkung des Mobilfunks geführt (Freiburger Appell 2002, Mobilfunk-Petition 1999, Mobilfunk-Petition 2003, Resolution zur Minimierung der allgemeinen Elektrosmog-Belastung 1999) (Leitgeb, 2007, S.3).

Die Wirkungen von Mobilfunk-relevanten hochfrequenten elektromagnetischen Feldern auf den Schlaf wurden in einer Vielzahl von Studien untersucht. Eine Übersicht aller experimentellen Studien und epidemiologischen Studien zum Thema Schlaf finden Sie in der Studienübersicht Mobilfunk des EMF-Portals. Verschiedene internationale und nationale Gremien beurteilen die Datenlage hinsichtlich der Evidenz für eine Wirkung auf das Schlaf-EEG nicht einheitlich, sind sich jedoch einig hinsichtlich der möglichen Konsequenzen für die Gesundheit.

Auf internationaler Ebene sieht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrer letzten Kurz-Stellungnahme (Fact sheet № 193, 2014) bezüglich der Studien zum Thema Schlaf keine ausreichende Evidenz für nachteilige Wirkungen auf die Gesundheit. Die Internationale Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP) schließt sich dieser Meinung an, bemerkt jedoch, dass GSM-Signale eine schwache Wirkung auf das Schlaf-EEG haben könnten (einige Studien beschreiben eine Erhöhung der Aktivität der Alpha-Wellen und Beta-Wellen) (ICNIRP, 2009, S.257).

Auf europäischer Ebene sieht der Wissenschaftliche Ausschuss für neu auftretende und neu identifizierte Gesundheitsrisiken der EU (SCENIHR, 2015, S.126 f) ebenfalls Hinweise auf Wirkungen im Schlaf-EEG. Die beschriebenen Wirkungen werden als nicht konsistent bewertet, scheinen aber von der Art des Signals abhängig zu sein (Expositions-Art, Dauer, Puls-Modulation) und unterschiedliche EEG-Frequenzbereiche in unterschiedlichen Schlafphasen zu betreffen. SCENIHR widerspricht damit der Behauptung anderer Experten (z.B. der Schwedischen Strahlenschutz-Behörde (SSM), 2013, S.9), dass sich konsistente Wirkungen im Schlaf-EEG beobachten ließen.

Die deutsche Strahlenschutzkommission (SSK, 2011, S.24 f) kann mit Bezug auf die Ergebnisse des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms (DMF) keine Wirkungen von Mobilfunk-Feldern auf das Schlaf-EEG oder die Schlaf-Qualität bestätigen, stellt jedoch fest, dass allein die Besorgnis vor schädlichen Wirkungen Schlafstörungen verursachen kann. Die SSK sieht aber noch weiteren Forschungsbedarf, insbesondere für die Untersuchung möglicher altersabhängiger Wirkungen.

Das Schweizer Bundesamt für Umwelt (BAFU, 2014, S.22 f) sieht hingegen eine ausreichende Evidenz für eine Aktivitätssteigerung im EEG-Frequenzbereich zwischen 12 und 15 Hz im Schlaf durch Mobilfunk-Exposition, betont aber, dass es sich um kleine Veränderungen der EEG-Aktivität handelt, die sich nicht auf die Schlafqualität auswirken. Das BAFU sieht starke individuelle Unterschiede in den EEG-Reaktionen sowie unterschiedliche Wirkungen verschiedener Signal-Arten und modulations-spezifische Wirkungen als mögliche Gründe für die Inkonsistenz der Studien-Ergebnisse und fordert weitere Forschung.

Weitere Informationen zu Wirkungen auf das EEG (auch Schlaf) finden Sie im Kapitel „EEG/Hirnaktivität“.

Als Fazit kann gezogen werden, dass internationale wie nationale Expertengremien höchstens leichte Wirkungen auf das Schlaf-EEG durch Mobilfunk-relevante hochfrequente elektromagnetische Felder als möglich erachten, jedoch keine ausreichende Evidenz für einen Einfluss auf die Schlaf-Qualität und gesundheitlich relevante Wirkungen sehen. Eine neue ausführliche Stellungnahme der WHO zu Wirkungen von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern wird für 2016 erwartet (Fact sheet № 193, 2014).