Studienübersichten

Experimentelle Studien zu Mobilfunk

1309 Studien insgesamt
  1. 525 Studien
  2. 403 Studien
  3. 401 Studien
  4. 172 Studien
  5. 149 Studien
  6. 83 Studien

Gehirn

401 Studien insgesamt
  1. 118 Studien
  2. 118 Studien
  3. 100 Studien
  4. 56 Studien
  5. 34 Studien
  6. 32 Studien
  7. 17 Studien

Schlaf 32 Studien insgesamt

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Der menschliche Schlaf ist ein regelmäßig auftretender, der Erholung dienender Zustand der Ruhe und des Sich-Abschließens von der Umwelt. Dabei werden das Tagesbewusstsein und willkürliche Bewegungen herabgesetzt oder sogar aufgehoben. Schlaf ist charakterisiert durch verschiedene Schlafphasen, die während der Nacht meist in mehreren Wellen durchlaufen werden. Die Anzahl der Wellen und die Länge der einzelnen Schlafphasen sind dabei großen Schwankungen unterworfen, sowohl innerhalb derselben Person als auch zwischen verschiedenen Personen.

Die verschiedenen Stadien der Schlaftiefe, vom Leicht- bis zum Tiefschlaf, lassen sich anhand von 30 Sek.-Epochen sogenannter polysomnographischer Aufzeichnungen von EEG, EOG und EMG klassifizieren. Beim Tiefschlaf sind die meisten Körperfunktionen herabgesetzt, wohingegen beim REM-Schlaf eine stärkere physiologische Aktivierung vorliegt. Spontanes Erwachen tritt zum Beispiel deutlich häufiger aus dem REM-Schlaf auf. Aufgrund der vegetativen und zentralnervösen Aktivierung bietet der REM-Schlaf physiologisch optimale Bedingungen für den Übergang vom Schlaf zum Wachzustand. Weiterhin wird diesem Schlafstadium eine wesentliche Bedeutung für Speichervorgänge von Gedächtnisinhalten zugesprochen.

In den letzten Jahrzehnten haben Schlafstörungen deutlich zugenommen. Mehr als 20% der Bevölkerung leiden zumindest gelegentlich unter Schlafstörungen, wie z.B. Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen, gestörten Schlafmustern oder einer gestörten Schlafperiodik. Einige Betroffene führen dies auf die Einwirkung hochfrequenter elektromagnetischer Felder von Sendeanlagen und Mobiltelefonen zurück.

In experimentellen Studien wird das Schlafverhalten in Schlaflabors unter sogenannten Provokationsbedingungen oder Protektionsbedingungen studiert. Unter Provokationsbedingungen wird die Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern simuliert, während unter Protektionsbedingungen die elektromagnetischen Felder abgeschirmt werden. Um die Wirkung elektromagnetischer Felder auf den Schlaf zu erforschen, werden Untersuchungen an Menschen durchgeführt, wobei folgende Testverfahren zum Einsatz kommen:

In einigen epidemiologischen Studien wurden Hinweise auf Schlafstörungen im Zusammenhang mit Sendeanlagen (Rundfunk), Basisstationen oder Mobiltelefonen gefunden.

Generell sind die bisher durchgeführten experimentellen Studien bezüglich der Expositionsbedingungen, der untersuchten Gruppen und der Auswertungsverfahren der Biosignale und der angewendeten Statistik sehr verschieden. Darüber hinaus sind Laborstudien mit einigen methodischen Nachteilen verbunden, die bei der Bewertung berücksichtigt werden müssen:

  • ungewohnte Schlafumgebung
  • geringe Anzahl der untersuchten Nächte
  • künstliche Expositions-Bedingungen, die die reale Situation nur teilweise abbilden

Viele epidemiologische Studien weisen bei der Expositionsabschätzung erhebliche methodische Mängel auf und lassen deshalb keine kausale Schlussfolgerung zu. Ihre Aussagekraft hängt von einer Reihe von Kriterien ab:

  • Standardisierung möglicher Störvariablen (Schlafumgebung, Raumtemperatur, Stress, Medikation), die zu Unterschieden zwischen exponierten und nicht exponierten Gruppen führen könnten
  • die sogenannte Blindheit der untersuchten Gruppen bzgl. der Expositionsverhältnisse
  • die Genauigkeit der quantitativen Abschätzung der Exposition

Von den 19 vorliegenden Studien (siehe Tabelle; Stand April 2009) untersuchten 6 Studien die Schlafqualität, 5 Studien untersuchten das Schlafprofil, 2 Studien untersuchten Schlafstörungen und die restlichen Studien untersuchten verschiedene Schlafparameter wie Nachtschlaf, Schlafeintritt oder Schlaf-EEG. Alle Studien wurden am Menschen durchgeführt mit variablen Untersuchungsdauern von 30 min bis zu wiederholten Expositionen über 13 Nächte hinweg. 17 Studien waren Provokationsstudien, d.h. es wurde die Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern untersucht. In 2 Studien (Leitgeb N, 2007, Leitgeb N et al., 2004) wurden die Felder protektiv abgeschirmt. In 15 Studien wurden polysomnographische Aufzeichnungen von EEG, EOG und EMG vorgenommen, 3 Studien untersuchten nur das Schlaf-EEG, und 6 Studien erhoben Selbst-Bericht-Daten zum Schlaferleben (z.B. Pittsburgh Schlafqualitätsindex). Ingesamt konnten bei 10 Studien keine Hinweise auf schädigende Einflüsse der hochfrequenten elektromagnetischen Felder auf den Schlaf, insbesondere auch nicht durch die des Mobilfunks, gefunden werden. In 7 Studien wurden Einflüsse auf den REM-Schlaf und das Schlaf-EEG gefunden, wobei der REM-Schlaf in seiner Dauer meist verkürzt war (Loughran SP et al., 2005, Lebedeva NN et al., 2001). 3 Studien zeigten Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf das Einschlaf-Verhalten mit verlängerten Einschlafzeiten, sowohl unter Expositionsbedingungen (Arnetz BB et al., 2007, Hung CS et al., 2007), als auch unter Protektionsbedingungen (Leitgeb N, 2007).

Ingesamt bleibt eine abschließende Bewertung von schädigenden Einflüssen der hochfrequenten elektromagnetischen Felder auf den Schlaf ein zeitaufwendiger und schwieriger Prozess, der nur von entsprechenden Expertengremien durchgeführt werden kann. Im Laufe eines solchen Prozesses müssen alle Publikationen eines bestimmten Frequenzbereiches gesammelt und im Hinblick auf ihre individuelle Qualität (z.B. Dosimetrie, Studiendesign, Stichprobengröße, Statistik), Reproduzierbarkeit der Ergebnisse und Vergleichbarkeit mit anderen Studien bewertet werden.

Auf internationaler Ebene ist insbesondere die WHO dafür verantwortlich, Stellung zu den Wirkungen elektromagnetischer Felder zu beziehen. Für Fragen zur öffentlichen Gesundheit liegen entsprechende Stellungnahmen vor (WHO 2000).

Auf nationaler deutscher Ebene ist die entsprechende Behörde das Bundesamt für Strahlenschutz BfS. Auch hier liegen themenspezifische Stellungnahmen vor. Zum Thema "Gehirn, Kognition und Schlaf" (BfS 2009) erstellte das Bundesamt für Strahlenschutz 2009 eine zusammenfassende Literaturübersicht. Auch die Strahlenschutzkommission (link: ssk.de) beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gibt entsprechende Stellungnahmen ab. In einer 2008 veröffentlichten Stellungnahme zum Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramm, bewertet die Strahlenschutzkommission den aktuellen Kenntnisstand zu gesundheitlichen Wirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder bezüglich verschiedener Forschungsschwerpunkte. Im Bereich EEG und Schlafqualität kommt die Kommission zu dem Schluss, dass "bisherige Berichte über eine gesundheitsrelevante Beeinflussung der Schlafqualität [...] durch Mobilfunkfelder mittels der durchgeführten Studien nicht bestätigt werden. Für eine abschließende Beurteilung sind die noch ausstehenden Forschungsarbeiten erforderlich."

Eine Bewertung von über 150 wissenschaftlichen Studien zu hochfrequenter Befeldung des Schweizer Bundesamtes für Umwelt (BAFU) von 2007 fasst die gesundheitlichen Wirkungen von Hochfrequenzbefeldung auf diverse Endpunkte zusammen. Im Bereich Schlaf (Phasen und Qualität) wird folgendes Fazit gezogen: "Es wird als wahrscheinlich erachtet, dass die Exposition gegenüber einem Mobiltelefon die Hirnströme verändert, z.B. das Spontan-EEG im Schlaf. [...] Ebenfalls als wahrscheinlich bewertet werden Veränderungen der Schlafphasen [...]. Die beobachteten Effekte traten bei so niedrigen Strahlenintensitäten auf, dass sie nicht mit dem konventionellen thermischen Wirkungsmodell erklärbar sind." Weiterhin gibt das Bundesamt an: "Es wird als wahrscheinlich beurteilt, dass sich die Schlafstadien unter Hochfrequenzexposition verändern, [...] z.B. die Latenzzeit bis zur ersten REM-Schlafphase. Die subjektive Bewertung der Schlafqualität war wie schon in früheren Studien nicht mit der Hochfrequenzbelastung assoziiert. Die Expositionseffekte werden also nicht unbedingt als negativ empfunden."