Studientyp: Epidemiologische Studie (Beobachtungsstudie)

Epidemiological study of power lines and childhood cancer in the UK: further analyses epidem.

[Epidemiologische Studie zu Hochspannungsfreileitungen und Krebs im Kindesalter in Großbritannien: weitere Auswertungen]

Veröffentlicht in: J Radiol Prot 2016; 36 (3): 437-455

Ziel der Studie (lt. Autor)

Es wurden weitere Analysen zu einer epidemiologischen Studie zu Krebs im Kindesalter und Wohnen zum Geburts-Zeitpunkt in der Nähe von Hochspannungsleitungen in Großbritannien durchgeführt. Folgende Publikationen wurden zu dieser Studie bereits veröffentlicht: Draper et al. (2005), Kroll et al. (2010), Bunch et al. (2014), Swanson et al. (2014) und Bunch et al. (2015).

Weitere Details

1.) Es werden drei Untergruppen-Analysen präsentiert, die nicht in den vorherigen Publikationen enthalten waren: Alter des Kindes bei Diagnose-Stellung (0, 1-4, 5-9 und 10-14 Jahre), Unterart der Leukämie und Region des Landes (10 verschiedene Regionen).
2.) Es wurde untersucht, ob das beobachtete abnehmende Risiko über den Zeitraum von 1962 bis 2008 stärker mit dem Geburtsjahr und dem Jahr der Krebs-Diagnose oder mit dem Baujahr der relevanten Hochspannungsleitung zusammenhing.
3.) Die Magnetfeld-Berechnungen wurden für die gesamte Studienpopulation durchgeführt.

Endpunkt/Art der Risikoabschätzung

Art der Abschätzung: (relatives Risiko (RR))

Exposition

Abschätzung

Expositionsgruppen

Gruppe Charakteristik
Gruppe 1 Abstand der Wohnadresse bei Geburt zur nächsten Hochspannungsleitung: 0 - 199 m
Gruppe 2 Abstand der Wohnadresse bei Geburt zur nächsten Hochspannungsleitung: 200 - 599 m
Gruppe 3 Abstand der Wohnadresse bei Geburt zur nächsten Hochspannungsleitung: 600 - 999 m
Referenzgruppe 4 Abstand der Wohnadresse bei Geburt zur nächsten Hochspannungsleitung: ≥ 1000 m
Gruppe 5 berechnete magnetische Flussdichte: ≥ 0,4 µT
Gruppe 6 berechnete magnetische Flussdichte: 0,2 - 0,39 µT
Gruppe 7 berechnete magnetische Flussdichte: 0,1 - 0,19 µT
Referenzgruppe 8 berechnete magnetische Flussdichte: < 0,1 µT

Population

Fallgruppe

Kontrollgruppe

Studiengröße

Fälle Kontrollen
Anzahl geeignet 57.067 -
Anzahl auswertbar 53.506 66.204

Ergebnisse (lt. Autor)

1.) Die Ergebnisse weisen daraufhin, dass die zuvor beobachteten erhöhten Risiken für Kinderleukämie im Zusammenhang mit Hochspannungsfreileitungen höher für ein höheres Alter bei Diagnose-Stellung und höher für myeloische Leukämie als für lymphatische Leukämie sein könnten.
2.) Die zuvor berichtete Abnahme des Risikos von 1960 bis 2000 scheint eher mit dem Geburtsjahr oder dem Jahr der Krebs-Diagnose als mit dem Baujahr der relevanten Hochspannungsfreileitung zusammenzuhängen.
3.) Es wurde ein nicht signifikantes, reduziertes Risiko für eine magnetische Flussdichte von ≥ 0,4 µT im Vergleich zu < 0,1 µT (RR 0,50; CI 0,15-1,62) beobachtet im Vergleich zu früheren Analysen (RR 2,00; KI 0,18-22,04). Jedoch wurde nur bei 4 von insgesamt 15920 Kindern mit Leukämie und 10 von 19608 der entsprechenden Kontrollen eine magnetische Flussdichte von ≥ 0,4 µT festgestellt.
Für die Gesamtstudie schlussfolgern die Autoren: es wurden einige erhöhte Risiken für Kinderleukämie im Zusammenhang mit Hochspannungsfreileitungen gefunden. Die Ergebnisse scheinen daraufhin zu deuten, dass es einen Faktor geben könnte, der zu erhöhten Leukämie-Raten in der Nähe von Hochspannungsfreileitungen führen könnte. Dieser Effekt kann bei Abständen von etwa mehr als 600 m von Leitungen mit 400 kV und 275 kV und bei einem geringeren Abstand bei 132 kV-Leitungen beobachtet werden. Diese Wirkung nahm schrittweise ab den 1960er Jahren ab und ist nun nicht mehr vorhanden (RR für einen wohnlichen Abstand von < 200 m im Vergleich zu ≥ 1000 m für alle Leitungen kombiniert, 1960er Jahre: 4,50; 2000er Jahre: 0,71). Dies kann definitiv nicht die Wirkung von Magnetfeldern alleine sein, und es scheint unwahrscheinlich, dass Magnetfelder überhaupt signifikant zu dem Anstieg beitragen. Der von den Autoren bevorzugte Kandidat bleibt eine Verbindung zwischen der Anwesenheit der Hochspannungsfreileitungen und sozioökonomischen oder demografischen Faktoren in ihrer Nähe.

Studie gefördert durch

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